Guten Tag allerseits im Oktober 2021

19.10.2021

Da sich auch bei mir die Ernte der Gartenhimbeeren allmählich dem Ende zuneigt, war für heute "Himbeertag" angesetzt. Will sagen: Nochmal ein ordentliches Schüsselchen gezupft, obendrein am Vorabend einen Teil der über die vergangenen zweieinhalb Wochen im Gefrierschrank angesammelten Tagesernten zum Auftauen rausgeholt. Plan: Feinstes Himbeer-Marmeladengelee fabrizieren. Melde: Plan erfüllt - habe soeben 15 Gläser lecker Stoff in den Vorratsschrank verfrachtet.

Natürlich gehen solche Operationen (in meinem Fall) nie ohne das eine oder andere Kataströphchen über die Bühne. Diesmal: Erst kochte der Topf über, weil ich beim gleichmäßigen Rühren ins Träumen geraten war. Dann fiel mir ein bereits gefülltes, aber noch nicht verschlossenes Glas zu Boden und verspitzte seinen Inhalt weit ins Küchenrund. Wovon freilich jetzt, also im Nachhinein, niemand mehr eine Spur vorfindet. Denn als Bub habe ich - widerwillig - beim Großvater und beim Vater, den seligen Schreinermeistern Pecht, lernen müssen: "Zum Feierabend hat dein Arbeitsplatz sauber zu sein. Immer." Und so ist es geschehen.


18.10.2021

Es ist eine seltsame Sache derzeit mit CDU/CSU. Mal abgesehen davon, ob man dieser Parteiung nahe steht oder eher fern: Seit der Bundestagswahl heißt es allenthalben, die Union müsse nun in einen grundlegenden INHALTLICHEN Orientierungsprozess eintreten, müsse die Auseinandersetzung um ihre INHALTLICHE Positionierung führen, müsse sich INHALTLICH wieder klar definieren. Und was geschieht? Der JU-Chef reklamiert, man sei nicht "laut genug" gewesen, habe die eigenen Botschaften nicht deutlich genug gemacht. Der Fraktionsvorsitzende reklamiert, man sei nicht geschlossen genug aufgetreten, das müsse sich nun ändern. (Welche Botschaften? Geschlossenheit wofür?) Obendrein drehen sich, so mein Eindruck in den letzten Tagen, die Mühen der CDU fast ausschließlich um Fragen des Wer und Wie der PERSONELLEN Neuaufstellung.

Irgendwie werde ich den unschönen Eindruck nicht los, man weiß in der Union gar nicht (mehr), was das ist, eine INHALTLICHE Auseinandersetzung. Leider scheint dieses Manko auch einem Teil der Politikjournalisten anzuhängen. Denn da gibt es zu viele, die erst bei Personalfragen - am liebsten Personalquerelen - richtig munter werden. Und gibt es keine, ist bisweilen unschwer der Versuch beobachtbar, solche aus dem psychologischen Kaffeesatz herbeizuspekulieren. Das es auch anders geht, also mit Priorisierung des Inhaltlichen, zeigen - bis dato - die Ampelsondierungen. Man mag zu dieser Regierungskonstellation stehen wie man will, muss aber wohl einräumen: Da wird das Pferd mal nicht von hinten aufgezäumt - wie das in der Politik und der Berichterstattung darüber dann meist der Fall, wenn zuerst und vornehmlich übers Personal und die Performance statt über Inhalte geredet wird.


17.10.2021

So im Frühnebel durch den Wald stapfen, ist eine feine Sache, aber nicht ganz ohne. Warum? Höret, was mir dieser Tage widerfahren. > Kleines Verzählche weiterlesen


16.10.2021

Zeitungsfund:
„Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“

Dieser ebenso wahre wie bedenkenswerte Satz stammt von Max Frisch. Er steht in enger Beziehung zu einer Passage aus meinem letzten „Heimat“-Vortrag: „Für die Enkel der ursprünglichen Migranten sind die Erzählungen der Großeltern über ihre einstige Erstheimat meist nur noch hübsche Familienfolklore. Den Nachgeborenen wird bald klar, dass die Erinnerungen der Alten  unzuverlässig sind. Die Wissenschaft hat ermittelt, dass gar zu wohlige Rückbesinnung auf die Kindheits- und Jugendzeit oft mehr mit Verklärung als mit einstiger Realität zu tun hat. So verwandelt sich Heimat in der Vorstellung zum Ideal, zum Paradies, zugleich zu einer Art utopischem Sehnsuchtsort oder -zustand.“
Schönes Wochenende allerseits.


13.10.2021

Jawohl ja, das ist reiner, echter Luxus: Sich Zeit nehmen, nach Lust und Laune einer eigenen, frei gewählten Passion nachzugehen - ohne äußeren und inneren Druck, ohne Verpflichtung oder Berücksichtigung der Erwartungen anderer, ohne materielles Nützlichkeitsgebot oder ökonomischen Erfolgszwang. So ist für mich einer der schönsten Aspekte an meiner noch jungen Aktivpassion für die Malerei: hemmungsloses Herumprobieren mit Materialien, Werkzeugen, Techniken, Motiven - erstmal ungeachtet dessen, was Ende dabei herauskommen könnte. > Sechs Neuzugänge in der Galerie


11.10.2021

Am vergangenen Samstag endlich mal wieder Theater live gesehen. Und gleich ein ordentliches Pfund: Am Theater Koblenz Uraufführung des jüngsten Stückes aus der Feder John von Düffels "Nach Delphi - Szenen aus der Zukunft". Inszeniert hat Intendant Markus Dietze. Drei Stunden recht starker Tobak und auch andere "Rauchware" - bedenkenswerter bis skurril-halluzinogener Abend über menschliche wie menschheitliche Gegenwart und Zukünfte. > Hier meine Besprechung der Uraufführung; 4400 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text.

Ich selbst war erstmals seit eineinhalb Jahren in der ruheständlerischen Gastkritikerfunktion dort. Nachher stellte sich  neben einiger Freude am Schreiben sogleich wieder jene Mühsal ein, mit der ich mir vor allem in den späten Berufsjahren immer schwerer tat: Je älter ich geworden bin und je mehr Erfahrung mit dem Theater sich ansammelte, umso zahlreicher die Eindrücke, gesehenen Aspekte, zu bedenkenden Faktoren von einer Inszenierung. Folge: Das in der Kritik unvermeidliche Weglassen, Komprimieren, Generalisieren wird ebenfalls mehr und mehr. Was quälend sein kann.


09.10.2021

Zurück auf Anfang, so allmählich. Meint: Wiederaufnahme meiner ursprünglichen Ruhestandsplanung. Ein Schritt dahin war diese Woche die Reanimation des zwei- bis fünfköpfigen Stammtischs in der Stammkneipe nach gut eineinhalb Jahren. Als nächstes geht es heute mal wieder mit Kritikerauftrag ins Theater. Koblenz serviert die Uraufführung "Nach Delphi - Szenen aus der Zukunft", stammend aus der Feder John von Düffels, inszeniert von Intendant Markus Dietze. Das Textbuch habe ich eingehend gelesen, sagen/schreiben darf man darüber erst nach der Premiere etwas.
 
Kritikerauftrag? Im Ruhestand? Yep, denn der Plan ging ja so: Abschaffung, Stilllegung, Trennung von 95% des vorherigen Pensums an Berufsschaffen; Beibehaltung der Monatskolumne "Quergedanken" sowie einer oder zweier Kulturschreibereien je Monat für die Zeitung - vorzugsweise über Schauspiel, Tanz und klassisches Konzert - als klitzekleine Kür für Plaisir. Daraus wurde bekanntlich nix, weil just mit meinem Ruhestandseintritt im Frühsommer 2020 Theater, Konzerthallen, Museen zusperrten. Nun also mal wieder aus freien Stücken ran an den Speck. Schaun mer mal, ob's noch klappt.

06.10.2021

Himmelherrgottsakramentkreuzgewitterverfluchtnocheins! Da hatte ich mich nach vielen, vielen Jahren endlich durchgerungen, mir wieder einen Hausarzt zu suchen. Und wat is nu? Heute teilt der, den ich gefunden habe, mir mit, dass seine Praxis zum 30.11. geschlossen wird. Der Herr Doktor geht in den Ruhestand. Darf er, kann er, soll er, hat er sich verdient - der Mann ist schließlich schon 70+. Unsereins steht nun allerdings vor dem Problem, erneut auf die mühselige Suche gehen zu müssen, und das zusammen mit hunderten anderen Patienten dieser Praxis. Denn einen Nachfolger gibt es nicht, und sehr viele Arztpraxen hier im ländlich/kleinstädtischen Umfeld des Unterwesterwaldes nehmen gleich gar keine Neupatienten mehr auf. Ach, schnauf.


04.10.2021

Es ist ein bisschen rätselhaft heuer: Nach dem relativ feuchten Sommer gibt es in meinem Westerwälder "Hausrevier" seit rund 6 Wochen eine regelrechte Pfifferling-Schwemme (die nun allmählich ausläuft), doch lässt sich kein einziger brauner Speisepilz, geschweige denn Steinpilz sehen.


02.10.2021

Wahrscheinlich (?) war dies der letzte von zahlreichen Vorträgen und Reden, die ich im Laufe meines Lebens gehalten habe: "Heimat - Sehnsuchtsraum und Kampfbegriff" - am vergangenen Sonntag auf Schloss Bürresheim nahe Mayen bei einer Veranstaltung der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz zu Gehör gebracht. Vor Publikum - opulente Runde oder ganz kleine - zu sprechen, war mir immer ein Vergnügen. Doch jetzt, im Ruhestand, sind mir die Vorbereitungsmühen zu groß geworden, die es braucht, jene Informationsfülle beizutreiben und so aufzubereiten, dass fürs Auditorium 60 bis 90 erhellende und spannende Minuten herauskommen.

Einige Zuhörer hatten am Sonntag um das Vortragsmanuskript gebeten. Dies sei hiermit (in unkorrigierter Form) durch Veröffentlichung auf meiner Website überreicht - und auch anderen Interessierten zur Lektüre empfohlen. > Redemanuskript "Heimat - Sehnsuchtsraum und Kampfbegriff" (hier)



29.09.2021

Heute ist das mittelrheinische Monatsmagazin "Kulturinfo" erschienen und damit auch wieder meine Seite-2-Kolumne "Quergedanken". Das ist nun schon die 195. seit wir das Format 2005 aus der Taufe gehoben haben und an fester Stelle mit festem Umfang ins Heft eingefügt. Mit einer Gesamtauflage von mehr als 67 000 - die größtenteils via hiesiger Tageszeitung verbreitet wird - ist dieses älteste Veranstaltungsmagazin in der Region um Koblenz/Neuwied noch immer das am meisten verbreitete. Als ich Mitte 2020 in den Ruhestand ging, versprach ich dem Herausgeber Günther Schmitz, diese Kolumne weiter zu schreiben, bis auch er altersbedingt den Bettel niederlegt. Was wohl noch ein paar Jährchen dauert.  > Quergedanken 195: Trielliert und gewählt wär'. Was nun?


28.09.2021

Ja natürlich wohnt fast allen gesellschaftlichen/politischen/wirtschaftlichen Problemen  die Soziale Frage als bedeutsame Komponente oder zentraler Aspekt inne. So auch der Klimakrise und folglich der Klimaschutzpolitik. Der Klimaschutzbewegung vorzuwerfen, sie sei dafür blind oder interessiere sich gar nicht für die sozialen Probleme zeugt allerdings von Unkenntnis hinsichtlich programmatischer Schwerpunkte sowohl bei FFF wie auch den Grünen. Z.B spielten bei  den FFF-Aktionen vom vergangenen Wochenende Forderungen nach effektivem Klimaschutz UND zugleich sozial ausgewogener/gerechter Klimapolitik (wieder) eine zentrale Rolle. Und von dem, was das Programm der Grünen an sozialen Ausgleichsmechanismen für steigende Klimaschutzausgaben gerade der weniger verdienenden Haushalte vorschlagen, könnten sich andere Parteien ein gutes Stück abschneiden.

Allerdings: Klimaschützer betrachten die Klimafrage in der Tat nicht als ein Problem NEBEN anderen Problemen wie Löhne, Wohnungsnot, Armutsgefälle, Bildungsgerechkeit etc., sonder als eine epochale Überfrage. Und das m.E. völlig zurecht, weil es sich beim Klimawandel um einen Prozess grundstürzender Gefährdung sämtlicher zivilisatorischer Lebenssphären handelt. Und es handelt sich um einen Prozess, der letztlich die Soziale Frage gravierend verschärfen wird, weil auch der Klimawandel die Ärmeren am härtesten trifft - und/oder sollten die Klimaschutzkosten vor allem auf die unteren zwei Drittel der Gesellschaft abgewälzt werden.


27.09.2021

Am Morgen nach der Wahl.

Und zieht man nun zum End' den groben Durchschnitt aus allen, malt sich doch ein recht vertrautes Bild ans deutsche Firmament:

Es marschierten der Michel und die Micheline
grimmig wild entschlossen
zur Wahlurne hin.
"Jawoll, es muss sich schier alles ändern -
und zwar so, dass man möglichst wenig davon merkt."

 

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