Guten Tag allerseits

26.01.2022

Wenn man sich die Reaktionen diverser Landesregierungen auf die extreme Intensivierung des Corona-Infektionsgeschehens betrachtet, kann/muss einem der Verdacht kommen: Da wird de facto stillschweigend auf eine Durchseuchungsstrategie eingeschwenkt. Lockerungen wohin man schaut, teils mutwillig dogmatisch (zB Schulpolitik RLP), teils krachledern übermütig (Fußballpolitik Bayern), teils der blanken Not ungenügender Vorausplanung/Vorsorge folgend (PCR-Testkapazitäten zu klein, Nachverfolgungskapazitäten der Gesundheitsämter zu gering ...). Es ist ..., ach ich sag's lieber zurückhaltend: zum Haare raufen.

***

Übrigens: Die immer wieder zu hörende Behauptung seitens besonders aktiver Gegner von Corona-Schutzmaßnahmen, hunderte Ärzte und abertausende Angehörige des medizinischen Personals seien ungeimpft und gegen das Impfen, ist nur ein agitatorisches Märchen. Jüngere Erhebungen des RKI, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung haben ergeben: Schon im August 2021 waren 98 % der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte doppelt geimpft, ebenso mehr als 90% der medizinischen Fachangestellten. Bis November 2021 waren in den deutschen Krankenhäusern 92 % des Gesamtpersonals doppelt geimpft, beim Pflegepersonal lag die Quote bei 95%.


25.01.2022

*schmunzel* Unlängst hatte meine mechanische Personenwaage (ein Erbstück aus den späten 60ern) noch tatsachengemäß vermeldet: "Du gehst mit knapp 89 Kilo nacktem Körpergewicht in den Dezember 2021." Heute nun lügt das Luder wieder, dass sich die Balken biegen: "Du kommst mit 96 Kilo aus dem Januar 2022." Konstante Zuverlässigkeit stelle ich mir anders vor. Sapperlottement!


24.01.2022

Vor gut 50 Jahren bin ich aus der katholischen Kirche ausgetreten und lebe seither, so glaube ich, als religionsloser Atheist ein Leben in Anstand, Würde und auch Nächstenliebe/Solidarität. Es ist also nicht an mir, den katholischen Mitbürgern zu raten, wie sie jetzt verfahren können/sollen. Die Katholiken müssen selbst damit klarkommen, dass ihre Kirche sich immer tiefer hineinreitet in die wohl größte Krise ihrer Geschichte seit dem Schisma der Reformation; mit dem völligen Vertrauens- und Autoritätsverlust von deren Würdenträgern; mit dem Umstand, dass ihre römische Glaubensgemeinschaft womöglich auf bestem Wege ist, sich nach 2000 Jahren selbst zu zerlegen.

Was mich allerdings interessiert, ist diese Frage aus säkularer Sicht: Werden eigentlich die von Kirchemännern begangenen Missbrauchtaten sowie die Taten der Mitwisserschaft, Mittäterschaft und/oder Strafvereitelung auch hoher und höchster Kirchenvertreter nicht von weltlichen Gerichten abgeurteilt? Ist das alles verjährt? Ich frage, weil ich es nicht weiß, aber verwundert bin, noch nie von einem entsprechenden Gerichtsverfahren/-urteil gegen Priester, Bischöfe, andere Eminenzen gehört/gelesen zu haben.


23.01.2022

altern (Nachtverslein)

Erst graut der Schopf,
dann dünnt er aus,
bald schaut die ganze
Schädeldecke raus.

Was jammerst du,
hey, alter Tor?
sprießt doch Ersatz
aus Nas' und Ohr.


22.01.2022

Es gibt da bei etlichen Politikern, Innenministerien und Polizeiführungen in Deutschland eine ungute Fehleinschätzung hinsichtlich der sog. Corona-"Spaziergänge". Häufig ist auf amtlicher/politischer Seite die Rede von Versuchen Rechtsradikaler, die Märsche protestierender Normalbürger "zu kapern" oder für "eigene Zwecke zu missbrauchen". Diese Beschreibung ist sachlich falsch - und offenbar wird nicht verstanden, was bei diesen Zusammenrottungen wirklich vor sich geht. Das mag seine Ursache haben in jahrzehntelanger Blindheit auf dem rechten Auge. Denn tatsächlich werden die meisten der Strapaziergänge durch Neonazis, Rechtsradikale und andere Querfront-Extremisten initiiert, organisiert, bundesweit orchestriert und vor Ort taktisch (oft inkognito) angeführt.


21.01.2022

Der Frankfurter Jazzmusiker und Träger des Bundesverdienstkreuzes Emil Mangelsdorff ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Er war einer der profiliertesten Jazzmusiker und Saxophonisten Deutschlands, eine Legende aus Frankfurt und bis zuletzt aktiv. Und er war wichtiger Zeitzeuge, der in seiner Jugend die Swing-Musik als Widerstand gegen die Nazi-Diktatur begriff und über diese Zeit später aufklärte.

Er hat ein stolzes Alter erreicht und uns über Jahrzehnte viel gegeben. Für die Entwicklung des Jazz in Deutschland kann man die Bedeutung, die er und sein 2005 verstorbener Bruder, der Jazz-Posaunist Albert Mangelsdorff, hatten, gar nicht hoch genug einschätzen.

***

Zum Wochenausklang und Wochenendbeginn noch was nettes: Ein Blick in die "Vergessenen Wortschätze", meinen neuen 2022er Tagesabreißkalender, ergänzt um das eine odere andere Altwort aus dem eigenen Wortschatz.

So blättert der Rentier nunmehr im Jahresweiser durch die ersten drei Wochen des Hartung, beginnend bei den letzten Raunächten. Ihm und euch zum Plaisire ajouriert er sich über das, was da feilgeboten. Er macht dingfest dufte Worte, auf dass die Freunde sich darin suhlen, ihre Malaise vergessen und für eine kurze Weile aufhören, zu kebbeln, sich zu kasteien, zu mosern. Hernach mag ein jeder eigener Wege ziehen, wohlweislich feines Hasenbrot im Ranzen für den Fall, dass unterwegs zum Feinsliebchen ein Schmacht sich einstelle.  

Betuliches und behagliches Wochenende allerseits.


20.01.2022

Nachtgedanken: Lebensphasen.
Zuerst versuchst du, wissend zu werden. Dann versuchst du, klug zu werden. Schließlich folgt der Versuch, Weisheit zu erlangen. Auf dieser Stufe nun erwartet dich die Erkenntnis: Es ist allemal bei Versuchen geblieben und wird es auch bleiben. Aber das macht nichts. Denn es gibt sinnlosere und langweiligere Arten, das Leben zu leben.


19.01.2022

Fast hätte ich ihn ja vergessen, meinen 2022er Tageskalender "Vergessene Wortschätze". Aber bevor ich in den nächsten Tagen ein paar hübsche Findlinge aus den ersten beiden Wochen vorstelle, sei ein anderes jüngst zu zweifelhaften Ehren gekommenes Wort angesprochen: schwurbeln, Geschwurbel. Im Netz stieß ich jüngst wiederholt auf die Ansicht, dies sei eine ganz neue Worterfindung zum Zwecke der negativen Charakterisierung aktueller (Aber)Glaubenströmungen. Es handelt sich jedoch bei schwurbeln/Geschwurbel um uralte Begriffe des Deutschen, aus dem Mittelhochdeutschen (also der Mittelalterepoche) stammend.

In den zurückliegenden Jahrzehnten war das Wort allerdings derart außer Gebrauch gekommen, dass es sogar aus dem Duden verschwand. Nicht aber, und das ist interessant, aus dem passiven Sprachschatz auch heutiger Deutsch-Muttersprachler. Wann immer es irgendwo auftauchte, wusste resp. spürte jede/r sofort, was gemeint ist: Unsinn reden. Auf dieser Grundlage feiert das Wort als Verb schwurbeln, Substantiv Geschwurbel und spätere Ableitung Schwurbelei eine machtvolle Renaissance, weil es bis in den Wortklang so trefflich bezeichnet, was mit den Klimawandelleugnern begann und den Impfgegnern wohl nicht enden wird.


15.01.2022

Es ist ein großer Irrtum dieser Tage, es ginge hinsichtlich der Corona-Maßnahmen um MEINUNGEN, also um subjektive Urteile, Gefühle, Glaubenssätze. Tut es aber nicht. Es geht im Grunde schlicht und ergreifend um wissenschaftsbasierten handfesten Seuchenschutz, um Handlungsweisen zum Schutz der einzelnen Menschen wie der Gemeinschaft vor den Wirkungen einer Virusseuche mit beträchtlichem bis tödlichem Gefahrenpotenzial. Und es ist, wie es immer war: In Seuchenzeiten können Verhaltensweisen, die zu normalen Zeiten unproblematisch, freundvoll, verständlich, ehrenwert, ja begrüßenswert sind, unsolidarisch, schädlich, gefährlich oder gemeingefährlich sein. Das sollte eigentlich jeder rational denkende Verstand begreifen können.

***

Mal an Rande vermerkt, von wegen "nur ein Grippe": Hätten wir eine echte Influenca-Epidemie mit 60 000 bis 100 000 Neuinfektionen täglich wie jetzt bei Corona, es würde ebenfalls  Alarmstimmung im Land herrschen - verbunden mit großer Sorge um die vulnerablen Gruppen, um die kritische Infrastruktur, um Überlastung der Kliniken und Aufrechterhaltung des Schulbetriebs. Ich habe in meinen 66 Lebensjahren zwei richtig schwere Influenca-Epidemien erlebt (eine davon, Honkong-Grippe 1968, schickte mich für 10 Wochen ins Krankenbett). Ich habe gesehen wie das ist, wenn Hunderttausende 2, 3, 4 oder mehr Wochen das Bett hüten müssen und Tausende im Krankenhaus oder auf dem Friedhof landen. Auch so eine Grippe-Epidemie ist kein Spaziergang.


14.01.2022

Nachdem ich heute auf einer Leserbriefseite in der Rhein-Zeitung für mein Neujahrsessay mit reichlich Lob bedacht worden bin, nachdem obendrein hierorts ganztägig die Sonne schien und ich angemessen ausgiebig im Freien werkeln konnte, bleibt mir nur noch wohlgelaunt: Wünsche allseits ein geruhsames, angenehmes, Wochenende - gleichwohl mit Umsicht und Bedacht gestaltet, denn 92 000 Neuinfektionen an einem Tag sind kein Pappenstiel.


13.01.2022

Aus vielen Gesprächen während meiner nun schon etwas längeren Lebenszeit ist mir bekannt, dass ich beileibe nicht der einzige bin, der so oder ähnlich verfährt: Quasi seit Jungendtagen ist in meinem Hinterkopf eine grobe Scala verankert, an Hand derer ich den Grad der eigenen Informiertheit sowie des Durchdacht-Habens einschätze hinsichtlicht diverser Themen, Genres, Ereignisfelder/Entwicklungen in Kultur, Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft. Diese Scala besteht aus drei Kategorien ... > weiterlesen Text "Wie ich mich selbst zur Ordnung rufe"


11.01.2022

Dass die 2021er Kartoffelernte in unserem Selbstversorgungsgarten recht dünne ausgefallen war, macht sich eben jetzt unschön bemerkbar: Dem Lagerstellage im Keller gerade die letzte Portion Krumbeere abgerungen. Im vergangenen Winter hielt der Vorrat fast drei Monate länger.  Die hiesige Vegetationsperiode 2021 war halt zu kalt und zu nass.

Woraus man sich nun allerdings kein falsches Bild vom Rest der Welt stricken darf. Denn die große Klimabilanz für das letzte Jahr sieht ganz anders aus: Laut EU-Klimadienst Copernicus war der zurückliegende Sommer der wärmste in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen. Global war er zwar nicht der heißeste, gehört aber dennoch in die Kette der zuletzt ununterbrochen aufeinander folgenden sieben heißesten Jahre. Hinzu kommt eine erneute Häufung von Extremwetterereignissen rund um den Planeten von der Ahr-Flut über Hitzerekorde am Mittelmeer, in Nordamerika/Kanada sowie Sibirien bis zum weit überdurchschnittlichen Aufkommen schwerer Hurrikans.


09.01.2022

Irritiert mich vor der Glotze oder im Kino immer wieder erheblich: Da ballert ein Gauner oder Kommisar oder sonstiger Held das Magazin seiner Knarre leer - und steckt dann sogleich ganz cool, seelenruhig und folgenlos die Pistole oder den Revolver in die Jackentasche respektive vorne oder hinten in den Hosenbund. Macht das mal in echt. Folge wäre sofortiges Wehgeschrei des großartigen Schützen wegen qualmender Jacke bzw. verbranntem Arsch oder gegrilltem Genital. Ich stell' mir grad Schimanski vor - jodelhüpfend ....


08.01.2022

Eigentlich bin ich ja ein ziemlicher Naturbursche. Die meiste Zeit des Jahres zieht es mich, sobald das Wetter halbwegs passabel ist, von früh bis spät raus aus dem Haus, zur Arbeit in der Selbstversorgungswirtschaft oder ausgedehnten Streifzügen durch die Wälder. Doch sobald sich winterliche Witterung einstellt, wird alles anders. Denn: Ich bin ein Wintermuffel. > Kurztext lesen


05.01.2022

*Ironie an*
Es gibt ja in Sachen Corona jede Menge eigentümlicher Erscheinungen. Zwei der seltsamsten Phänomene darunter sind diese:
1. Allem Anschein nach konzentrieren sich dauerhaft schwer krank machende bis tödliche Folgen der Corona-Impfung in großer Zahl fast ausschließlich auf Familien- und Bekanntenkreise von Impfgegnern. Diesen zwingenden Schluss legen Vergleiche zwischen Erzählungen aus ungeimpftem Volksmund und Berichten aus der geimpften Population nahe. Die Wissenschaft rätselt noch über die Ursachen dieses Phänomens, aber offenbar geht von Impfgegnern ätherisch eine negative Beeinflussung der Impfverträglichkeit aus.
2. Die bundesdeutsche "Corona-Diktatur" ist die erste Diktatur in der Menschheitsgeschichte, die beim Umgang mit ihren Gegnern meist die freundliche Ansprache pflegt und Samthandschuhe trägt. Vor allem links-grün versiffte Zeitgenossen älteren Semesters mit Demonstrationserfahrung aus früheren Jahren und Jahrzehnten sind verblüfft, dass die polizeilichen Einsatzkräfte bei den jetzigen  Corona-Strapaziergängen ihre sonst allfällig übliche Demo-Ausrüstung im Spind lassen: Rund- oder Langschilde, Hartholz-Langknüppel, Hartplastik-Rüstung, Wasserwerfer, Fahrzeuge mit vorgebautem Räumgitter, Tränengaswerfer - und was der Instrumente mehr sind.
*Ironie aus*


03.01.2022

"Es mehren sich heute die Anzeichen, dass nunmehr für die gesamte Menschheit der 10 000-jährige Wachstumsweg nicht länger gangbar ist." So lautet einer der Kernsätze meines am heutigen Montag in der Rhein-Zeitung als Seite "Kultur extra" erschienen Neujahrsessays. Es ist seit 1999 der 24. Langtext in dieser Zeitung zum Jahresbeginn, jeweils über ein Grundthema, das zur betreffenden Zeit von besonderer Bedeutung war. Die Nr. 24 wird, auf meinen eigenen Wunsch hin, wohl das letzte Neujahrsessay aus meiner Feder gewesen sein. (12 100 Anschläge, kostenpflichtiger RZ-Text). > Neujahrsessay / Endzeit oder Neuanfang? (hier) 

 



31.12.2021

Am vorletzten und letzten Tag des alten Jahres kommt meine erste "Quergedanken"-Kolumne fürs neue Jahr unter die Leute. Das ist so, seit wir dieses Format für die Seite 2 des mittelrheinischen Magazins "Kulturinfo" Anfang 2005 aus der Taufe gehoben haben. Niemand konnte damals ahnen, dass eines Tages der eigentlich ehrenwerte Begriff des Querdenkens durch Missbrauch einer sehr kleinen, durchgedrehten, aber extrem schreihalsigen Minderheit verbunden würde mit Hirnrissigkeit, Idiotie, voraufklärerischer Mystik und asozialer Egomanie. Da ich allerdings nicht im Traum daran denke, dieser Bagage die Sprachhoheit zu überlassen, bleibe ich auch im 18. Jahr beim Kolumnennamen "Quergedanken" im ursprünglichen Sinn. > Lesen Quergedanken Nr. 198 "Nun mal los: Das Ungewohnte wagen"


30.12.2021

Die Ungeimpften "sind nicht allein dafür verantwortlich, dass die Pandemie immer neue Wellen schlägt, aber sie tragen erheblich dazu bei. Unter ihnen sind bekanntlich Rechtsradikale und ,Querdenker', deren Corona-Theorien oft so hirnrissig sind, dass man sich fragt, ob man bei der Beurteilung des Aberglaubens im Mittelalter bislang nicht ein wenig zu streng gewesen ist. (...)"
(Giovanni di Lorenzo in seinem Leitartikel der heute erschienenen Wochenzeitung "Die Zeit")