Guten Tag allerseits

03.12.2021

Ein "Wellenbrecher" ist das nicht, was da gestern beschlossen wurde. Sondern m.E. bloß eine neue Variante der bisherigen deutschen Seuchenpolitik, langen, zähen, zermürbenden Halbheitsprozessen den Vorzug zu geben vor dem Handlungsprinzip "kurz, aber hart". Nun denn, wir haben jetzt leider nichts anderes als diesen unübersichtlichen Flickenteppich an Maßnahmen. Die werden die 4. Welle bestenfalls etwas  abbremsen. Das Ausmaß des Bremseffektes hängt nun wesentlich davon ab, wie groß und breit die Bereitschaft der Zivilgesellschaft ist, dem großflächigen diffusen Infektionsgeschehen mit Abermillionen freiwilligen individuellen Kontaktreduktionen entgegenzuwirken. Das in Sachen 4. Welle. Forcierung der Impfkampagne und Impfpflicht sind eine andere Sache: Vorbeugung gegen die 5. Welle.
In diesem Sinne wünsche ich allseits ein gutes Wochenende. Bleibt daheim und gesund.

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Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass zugleich mit den neuen Corona-Regeln (und wohl bald noch nachkommenden Verschärfungen) die wirtschaftlichen Hilfsprogramme insbesondere für die kleineren Selbstständigen und Kulturschaffenden verlängert bzw. neu aufgelegt werden. Es sollte ebenso selbstverständlich sein, dass sie den neuen Regeln entsprechend modifiziert werden. Heißt: Sie müssen auch dann finanziell unterstützend einspringen, wenn keine Totalschließung vorliegt, aber man mit halbiertem, gedrittelten oder noch weniger Publikum zurecht kommen muss.

Das wird wieder viele Milliarden kosten, zusätzlich zu den rund 400 Millarden staatlichen Sonderausgaben während der Pandemie bisher. Wer soll das am Ende bezahlen?, wird allenthalben gefragt. Was mich seit Wochen, gar Monaten wundert: Irgendwie kommt niemand kommt auf die Idee, jenen Wirtschaftsbereichen, die während der Pandemie nur minimale Ausfälle hatten oder - teils auch an der Pandemie - glänzend verdienten, wenigstens eine Sonderabgabe (Solidarabgabe) abzuverlangen.

Wer die Bilanzzahlen der zurückliegenden Quartale  ein bisschen verfolgt hat, weiß: Es sind gar nicht mal wenige Unternehmen und Konzerne, die nur 3, 4 Prozent Einbußen hatten oder sich gar goldene Nasen verdient haben - während andere Wirtschaftszweige 80-, 90-prozentige oder totale Ausfälle verkraften müssen.



29.11.2021

Heute im mittelrheinischen Monatsmagazin "Kulturinfo" erschienen: Folge 197 meiner Kolumne "Quergedanken", sozusagen die Weihnachtsnummer. Der Text muss mit dem nicht ganz einfachen Spagat zwischen Krisenstimmung und dem Wunsch nach Weihnachts-Besinnlichkeit klar kommen. Er beginnt mit den Sätzen: "Schlechte Laune, die hat man mal ein paar Stunden, gelegentlich sogar den einen oder anderen Tag lang. Das gehört dazu. Denn des Lebens Umstände sind nicht nur Zuckerschlecken und die Mitmenschen nicht allemal liebens-würdig." Er endet aber so: "Bedenket: Niemand kann immer nur schlechte Laune aushalten, und froh zu sein, bedarf es wenig. In diesem Sinne sei ein angenehmes Fest gewünscht." > Quergedanken Nr. 197: "Nun singet, liebet und seid froh - auch" (hier)


28.11.2021

Ja, auch als Vollgeimpfter halte ich mich jetzt - freiwillig - an die dringlichen Appelle der Nationalen Wissenschafts Akademie Leopoldina, des Robert-Koch-Instituts und des Bundespräsidenten: Kontakte auf das unumgängliche Minimum zu reduzieren. Weil ich ein so braver und gehorsamer Bürger wäre? Gewiss nicht. Sondern weil sie in der Sache recht haben. Denn das Corona-Seuchengeschehen hat in Deutschland derart exorbitante Ausmaße angenommen, dass wir dagegen chancenlos bleiben, wenn nicht alle alle Register ziehen, die zur Eindämmung der Infektionen irgendwie beitragen können.